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08.06.2016 - 09.09.2016
Friendly Footage
Kunst und Spielfilm
  • Thomas Judisch: "Too many Birds", 2014/2016
  • Viviane Gernaert: "Closer", 2009
  • Jürgen Albrecht: o.T. 2016
  • Armin Mühsam: "House of Plans", 2010
  • Gabriele Aulehla: o.T., 2016 (Foto: Wolfgang Günzel)
  • Tina Winkhaus: "Babylon", 2011 aus der Serie "Unter Tage"
  • Peter Boué: Gezi, 2014, Fettkreide auf Karton
  • Wim Bosch: Deja-Vu, 2010, Digitaldruck
  • Marcel Petry: Rainerle, 2016, Tusche auf Büttenpapier
  • Nils Kasiske: Distopia, 2014, Mixed Media
  • Blick in die Ausstellung: Winkhaus, Gernaert, Bosch. Foto: Claus Friede

Footage bezeichnet ursprünglich das rohe Ausgangsmaterial für den Filmschnitt. Der Begriff fand bald Eingang in die Kunst , z.B. als „found footage", das Bildwelten aus gefundenem Material beschreibt.

Ein Unterschied in der Ästhetisierung im Umgang von Art-Footage und Film-Footage liegt im Wesentlichen im Editieren des narrativen Erzählstrangs, also in den Möglichkeiten und Techniken des Schnitts beim Spielfilm.

„Friendly Fire“ bezeichnet im Militär-Jargon den Beschuss durch die eigenen Truppen. Der Begriff „Friendly“ im Titel bezieht sich auf den „freundlichen Beschuss“ der Kunst mittels Hinterfragen und Neucodierung des filmischen Materials, quasi als „freundliche Übernahme“.

 

Die Ausstellung geht anhand ausgesuchter Positionen den zahlreichen Bezügen nach, die zeitgenössische Kunst mit dem Genre Spielfilm verbindet. Sie fragt nach den Realitäts- und Fiktionsvorstellungen in Spielfilmen, die in der Kunst ihre Reflexion oder ihr Weiterleben führen: welche Zitate, welche Metaphern oder Konstruktionen finden in der bildenden Kunst ihre Fortsetzung oder ihren Widerhall? Und welche konkreten und realitätsnahen Verweise finden dort ihren Niederschlag?

 

Beiden Genres, Spielfilm und Kunst liegt ein kollektives Bildgedächtnis zu Grunde. Spielfilme und Bilder sind ihrem Publikum bekannt und von ihnen regelrecht verinnerlicht. Die Ausstellung bezieht sich auf dieses kollektive Kennen, spielt mit Assoziationen, Bezügen und Atmosphären. Mit ihm lassen sich unmittelbar Beziehungen zu konkreten Schlüsselszenen, Stimmungen oder Fragmenten herstellen. Die im Spielfilm häufig verwendete opulente Bildarchitektur mit dessen Schau- und Handlungsfenstern ist ebenfalls in der Kunst bekannt.

 

Die eingeladenen Künstler widmen sich einerseits den Handlungs-, Raum- und Beziehungsgefügen, andererseits den atmosphärischen Grundstimmungen. Ihnen geht es oftmals weder um eine Wiedererzählung einer filmischen Handlung, noch um ein Remake oder eine bloße Kommentierung von Spielfilm, noch um eine intellektuelle Rehabilitierung des Spielfilms durch die Kunst. Die teilnehmenden Künstler benutzen den Spielfilm als Inspirationsquelle, als eigenständiges Footage-Material und katalysieren einzelne Essenzen zu eigenständigen Werken – mit und ohne direkten Wiedererkennungswert. Die Bandbreite des Umgangs und der Rückkopplung mit dem Medium Spielfilm ist immens groß, diese fängt beim Integrieren an und hört beim Entzweien und Destabilisieren auf. Die Kunstwerke verdichten komplexe filmische Sachverhalte und Atmosphären zu Einzelbildern, Bildserien, Objekten und digitalen Techniken.

 

Beteiligte Künstler:

Jürgen Albrecht (DE)

Gabriele Aulehla (DE)

Wim Bosch (NL)

Peter Boué (DE)

Viviane Gernaert (DE)

Thomas Judisch (DE)

Nils Kasiske (DE)

Armin Mühsam (US)

Marcel Petry (DE)

Tina Winkhaus (DE)

 

Kuratiert von Prof. Claus Friede

Mit freundlicher Förderung der Kulturstiftung des Landes Schleswig-Holstein.