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21.06.2020 - 20.09.2020
Jiří Tichý
Die Haut des Marsyas und die Flügel des Schmetterlings
  • Jiří Tichý: Vox coeli, 1999-2000, Foto: Hans Joachim Plitt
  • Jiří Tichý: Der Schrei, 1968, Foto: Hans Joachim Plitt
  • Jiří Tichý: Gedicht ohne Worte, 2001, Foto: Hans Joachim Plitt
  • Jiří Tichý: Libosen, 1992, Foto: Hans Joachim Plitt
  • Jiří Tichý: Illustration zum Hohelied Salomos, 1975, Foto: Hans Joachim Plitt
  • Jiří Tichý: Der unerfüllte Traum eines Seemanns, 1972, Foto: Hans Joachim Plitt

Jiří Tichý (1924-2013)

Die Haut des Marsyas und die Flügel des Schmetterlings

21. Juni – 20. September 2020

 

In einer erstmaligen Ausstellungskooperation präsentieren die Herbert Gerisch-Stiftung und das Museum Tuch + Technik in Neumünster gemeinsam das universell angelegte Schaffen des international geschätzten, tschechischen Künstlers Jiří Tichý (1924 - 2013). Ausstellung und Katalog dokumentieren exemplarisch und repräsentativ alle Schaffensperioden von 1940 bis 2008 anhand von über 100 Werken, darunter Mappenwerke und Alben, aus der weltweit größten Privatsammlung des Künstlers, ergänzt durch einige Leihgaben.

 

Sein textiles Schaffen ist mit rund 30 Werken, Tapisserien und Textilcollagen, Stoffdrucken und Kleinplastiken im Museum Tuch + Technik zu sehen. Die Herbert Gerisch-Stiftung zeigt in der Villa Wachholtz und in der Gerisch-Galerie eine Auswahl von gut 70 malerischen und grafischen Werken: Arbeiten aus der Frühzeit, hochgebrannte Emailmalereien, Monotypien, Frottagen, Siebdrucke, Collagen, Xerografien, Buchkunst und Illustrationen sowie Beispiele aus der Zusammenarbeit mit Architekten.

 

Jiří Tichý zählt zu den Gründern der Neuen Textilkunst, die seit den 1960er Jahren durch eigenes Weben aus einem jahrtausendealten, traditionellen Kunsthandwerk eine innovative Kunst entwickelte und über Jahrzehnte ihr Weltzentrum in der Biennale internationale de la tapisserie in Lausanne fand. Dort hat Tichý zwischen 1965 und 1971 regelmäßig ausgestellt.

 

Vier vollkommen unterschiedliche politische Systeme, die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg und das Scheitern des „Prager Frühlings“ durchlebend, hat sich Jiří Tichý trotz persönlicher Angriffe und mancher Schicksalsschläge seit den 1960er Jahren einen unabhängigen, freien Gestaltungsraum geschaffen und ein Werk von hoher Eigenständigkeit, poetischer Ausdruckskraft, technischer Innovation, stilistischer Vielfalt und europäischer Bedeutung entwickelt. Unbelastet von den individuellen und abgrenzenden Stilfindungen westlicher Künstler, hat Tichý experimentierfreudig zu seinen eigenen „Materialstilen“ und zu Formen der Abstraktion gefunden, die figurative Elemente einschließen.

 

Dieses Projekt legt nicht zuletzt ein beredtes Zeugnis ab für einen ungewöhnlichen künstlerischen Ost-West-Dialog im geteilten Europa des Kalten Krieges: Die Werke sind das Ergebnis einer 1969 begonnenen Zusammenarbeit und Freundschaft zwischen dem osteuropäischen Künstler Jiří Tichý und dem westdeutschen Kunsthistoriker und Kurator der Ausstellung, Prof. Dr. Christoph Brockhaus, mitsamt seinem Umfeld während des Kalten Krieges und nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“.

 

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog von Christoph Brockhaus mit einführenden Texten zur ausgestellten Sammlung, zum Gesamtwerk des Künstlers, zu den einzelnen Kunstgattungen, Biografie und Bibliografie, 224 Seiten, 272 Abbildungen, 24,- Euro.

 

Das Rahmenprogramm zur Ausstellung wird sich nach den geltenden Vorgaben zur Eindämmung der Coronavirusgefahr richten.